Wenn ich mal groß bin

Wenn ich mal groß bin…

Ich werde zwar teilweise noch immer belächelt wenn ich “als ich noch jung war” verwende, aber es ist nicht zu leugnen, dass seitdem schon einige Jahre vergangen sind (also meiner Jugend). Manchmal denke ich an diese Zeit zurück und frage mich immer mal wieder, was wohl anders wäre, wenn einige meiner Vorsätze und Wünsche tatsächlich wahr geworden wären. Was habe ich damals für Vorstellungen davon gehabt, wie es ist erwachsen zu sein? Ausführlich darüber zu sprechen dauert bestimmt Ewigkeiten, aber ich dachte mir, warum nicht einfach mal irgendwo damit anfangen. Manchmal frage ich mich nämlich, ob ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe oder mich einfach für etwas entschieden habe, weil es mir in dem Moment vielleicht bequemer erschien. Wirklich wissen werde ich es im Nachhinein wohl nie. Daher mag ich heute mal ein paar Dinge ansprechen, über welche ich definitiv immer mal wieder nachgedacht habe und sie mit euch teilen. Ich habe das Gefühl, dass da noch eine Menge Potenzial schlummert. Daher möchte ich mich heute dem Thema Berufswahl widmen. Was wollte ich damals werden und wo bin ich gelandet?

 

Wenn ich mal groß bin


 
In meiner Jugend (also da wo man noch ohne Handy in der Hand unterwegs war) habe ich unter anderem sehr viel gezeichnet. Im Kunstunterricht in der Schule hatte ich in diesem Fach stets ein 1 und wurde von meiner Lehrerin regelmäßig dafür gelobt, wie realistisch und lebendig ich Dinge male bzw. zeichne. In Erinnerung ist mir das Bild einer Wiese geblieben, wo alle in der Klasse perfekte Blumen und Gräser zeichneten und es bei umgeknickte Pflanzen oder plattgetretene Stellen gab. Vielleicht übertreibe ich hier in meiner Erinnerung auch maßlos, aber ich meine mich zu erinnern, dass sie es als realistische Darstellung bezeichnete. Sie hat mir sogar nahegelegt eine Kunstschule aufzusuchen und empfahl mir bei einem Kurs vorbei zu schauen. Entweder hatte sie mir damals eine falsche Adresse gegeben, oder ich war mit meinen 12 Jahren und der verzweifelten Suche nach der Busfahrt in der nächsten Stadt völlig überfordert (da gabs noch kein Google Maps). Jedenfalls landete ich an einer einsamen Straße und bin traurig wieder heim. Natürlich habe ich sie auch nie darauf angesprochen. So endete dieser Versuch kläglich. Was ich damals ebenfalls sehr gern gemacht habe sind Straßenzüge und Gebäude mit der Fluchtpunktperspektive zu zeichnen. Ich hatte wirklich viel Freude daran und würde mich gern wieder daran versuchen. Was mich davon abhält? Wahrscheinlich mein innerer Schweinehund und die Besorgnis, dass ich es nicht mal ansatzweise so gut hinbekommen würde wie damals. Das schlimme ist, dass ich es auch nicht rausbekomme, solange ich es nicht einfach versuche. Ich muss mich einfach nur dazu aufraffen, was in der Theorie immer so viel einfacher klingt, als es dann in der Praxis tatsächlich ist.

 

Wenn ich mal groß bin
 
Wenn ich mal groß bin

 

Was mir bis heute noch immer erhalten geblieben ist ist, dass ich noch immer eine große Leidenschaft für Bücher hege. In jungen Jahren hatte ich daher auch unbedingt vor mal Autorin zu werden und viele Bücher zu selber zu schreiben. Versucht habe ich mich an Gedichten und eigene Folgen zu meinen damaligen Lieblingsserien. Dazu gehörte Saber Rider and the Star Sheriffs (falls das noch jemand kennt von euch). Es ist noch nicht so lange her, dass ich einen Stapel davon (glaube ich) bei Ausmisten gefunden habe und entsorgt habe. Ich hatte bis vor kurzen auch noch in paar Bücher im Regel stehen, welche Tipps für den angehenden Autor liefern. Mit 15 gekauft und nicht ein einziges Mal reingeschaut. Schon etwas traurig, aber immerhin kann ich heute sagen, dass ich eine Plattform gefunden habe meinen Worten Ausdruck zu verleihen. So ist mein Blog eine Möglichkeit, meinen Wunsch doch irgendwie gerecht zu werden. Es mag zwar kein Buch mit hunderten Seiten sein, aber nach all den Jahren dürften mindestens genau so viele Worte hier geschrieben worden sein.

 

Dann gab es mit 15 auch mal eine Phase wo ich meinte, dass Fremdsprachenkorrespondenz oder Dolmetscher die perfekten Berufe für mich wären. Immerhin mochte ich Fremdsprachen (ob ein paar Jahre Englisch und etwas Französisch + Russisch wirklich als Qualifikation reichten sei mal dahingestellt) und fand die Vorstellung toll, bei Wetten Dass die Übersetzerin eines Promis sein zu können. Klang doch alles logisch und einfach. Kann doch jeder mal eben so machen

 

Natürlich gab es auch ein paar diese total unrealistischen Wünsche wie Model (bin zu klein und viel zu vernarbt am Körper dafür) oder Sängerin (ich bin realistisch genug einzusehen, dass meine Gesangsstimme wohl eher eine abschreckende Wirkung haben dürfte) zu werden. Daraus wurde dann doch eher offensichtlich nichts. Nach Abschluss der Schule stand ich also da und musste mich der Frage stellen, was ich denn nun beruflich machen sollte. Da es zu 90% nur Jobs im Einzelhandel gab, habe ich mich in dieser Branche beworben und habe nur Ablehnungen bekommen. Um nicht arbeitslos zu sein habe ich mich dann für 3 Jahre Fachgymnasium Wirtschaft / Informatik entschieden (bei einem Einstellungstest von einer ebenfalls noch suchenden Ex-Klassenkameradin empfohlen bekommen). Eine gewisse Affinität für elektronische Dinge hatte ich irgendwie immer, so dass es zumindest einen Versuch wert war. Überraschenderweise haben mir VWL / Informatik und Rechnungswesen richtig Spaß gemacht, so dass ich nach 1 1/4 Jahren abbrach um eine Ausbildung in der IT-Branche zu beginnen. Fast 20 Jahre später tummele ich mich in dieser noch immer, so dass es wohl offensichtlich keine schlechte Entscheidung gewesen sein dürfte. Allerdings stelle ich mir natürlich immer mal wieder die Frage, ob ich vielleicht in einem anderen Bereich hätte erfolgreich sein können, wenn ich es damals versucht hätte.

 



Was ich nie wirklich vergessen habe, ist meine Begeisterung fürs Zeichnen. Wahrscheinlich vermisse ich es einfach und habe mich nie so ganz von dem Gedanken verabschieden können es nie wieder zu tun. Daher ist die Zeit gekommen, wo ich mich mal nach einem geeigneten Kurs umschauen sollte. Warum nicht einfach mal ausprobieren und schauen, ob die Begeisterung tatsächlich auch praktisch noch vorhanden ist. Ansonsten würde ich sagen, dass gewisse Interessen auch heute noch teilweise vorhanden sind, nur eben anders umgesetzt wurden. Der Blog hat mir sicherlich erlaubt einiges davon umzusetzen, wofür es sonst keine Plattform gibt.
Mich würde natürlich interessieren was eure beruflichen Vorstellungen waren? Ist es dann auch etwas ganz anderes geworden oder habt ihr genau das gemacht, was ihr immer machen wolltet? Seid ihr mit der Entscheidung zufrieden oder hinterfragt ihr auch immer mal wieder, ob es denn die Richtige war?

 

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4 Kommentare

  1. Ein echt schöner Beitrag und…. versuch das mit dem Zeichnen! Unbedingt!
    Eine Freundin von mir hat auch so ein Talent und hat das immer weitergemacht. Wir hatten zum Glück im Kunst-LK einen Lehrer, der viele Techniken besprochen und gelehrt hat und so hat sich sich auf Pastellkreide spezialisiert.. eine andere Freundin von mir malt nur Aquarell und noch eine andere stets großformatig in Öl (bin umgeben von Picassos, echt deprimierend). Wenn man sich einmal auf die Technik eingestellt hat, geht das sehr gut, sogar ich Loser hab ein tolles Bild mit Pastellkreide-Technik hinbekommen, nachdem es mir gezeigt wurde. Und bei den Mädels steht ganz selbstverständlich eine Staffelei im Zimmer, so wie bei anderen Strickzeug rumliegt oder bei mir Noten rumfliegen. Just do it 🙂

    1. Das freut mich sehr zu hören. Das klingt ja wirklich sehr interessant, was Deine Freundinnen so machen. Pastellkreide-Technik habe ich zuvor noch nie gehört. Klingt definitiv sehr spannend.

  2. Hallo Dani,

    Ja, irgendwie ist das so eine Sache mit den Träumen der Jugend.
    Auch ich habe sehr gerne gezeichnet, allerdings nicht mit viel Talent. Bei mir hat auch die Faszination dafür mit der Zeit nachgelassen. (Wobei ich Kunst immer noch sehr interessant finde!)
    Ich bin auch der Meinung das du, falls du wieder Lust dazu hast, einfach die Stifte in die Hand nehmen solltest und anfangen. 🙂 Mit welchen Farben, Stiften etc. ist egal – Hauptsache du hast Spaß daran. Und wer weiß, was sich daraus entwickelt. 😀
    Mein Traum war Psychologin zu werden und der wurde mir eher ausgeredet..(Brauchst den und den Notenspiegel etc.) Im Nachhinein finde ich es ein bisschen schade es mir ausgeredet haben zu lassen, allerdings macht mir mein eingeschlagener Weg auch sehr viel Spaß. 🙂 (Ausbildung zur Buchhändlerin und jetzt spätes Betriebswirtschaft und Recht Studium)

    Lg, Amalia

    1. Da hast Du sicherlich recht. Wenn ich es nicht einfach versuche, werde ich nie wissen, ob ich tatsächlich noch immer Freude daran haben werde. So würde es immer etwas sein, was mir keine Ruhe lässt.
      Psychologin klingt sehr spannend und in der Jugend ist man doch dazu geneigt, dass man sich vom Gegenteil überzeugen lässt. Man weiß es eben nicht besser. Immerhin kannst Du in Deinem jetzigen Job sicherlich auch viel Menschenkenntnis gewinnen und viel lernen. Solange es Dir Spaß macht.

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